Bayerischer Wald

Der bayerische Wald ist der gesamte bayerische Anteil am Böhmerwald, der von der Cham-Further Senke bis an die Donau und an die Grenzen gegen die Tschechoslowakei und Österreich reicht. Man unterscheidet den Vorderen und den Hinteren Wald. Der Vordere Wald ist das Gebiet zwischen den Tälern von Regen und Donau, während der Hintere Wald das übrige ausgedehnte Gebiet längs der Grenze einnimmt. Er gliedert sich deutlich erkennbar in drei Massive: in den Gebirgsstock des Osser (1293 m) und des Arber, der mit 1457 m die höchste Erhebung des Bayerischen Waldes ist, in das Massiv des Rachel (1452 m) und des Lusen (1370 m) in der Mitte sowie des Plöckenstein (1378 m) mit dem Dreisesselstein (1312 m), dem Hochstein (1330m) und dem Dreiländereck (1320m) im Südosten. Alle diese Gipfel sind mehr oder weniger kahl, von Felsbrocken übersät und gewähren deshalb eine ungehinderte Aussicht nach allen Seiten.
Von dort oben erkennt man auch, daß der Bayerische Wald seinem Namen getreu ein ausgesprochenes Waldgebirge ist, das in Deutschland seinesgleichen nicht noch einmal hat. Die riesigen Waldungen, der "Hochwald" Adalbert Stifters, der in Oberplan im Böhmerwald geboren wurde, sind das Schönste dieser Landschaft. Sie haben trotz der Erschließung durch Wanderwege in ihren Kernbereichen kaum etwas von der Ursprünglichkeit und Erhabenheit unberührter Natur verloren, und in einigen Naturschutzgebieten haben sie geradezu urwaldartigen Charakter. Hin und wieder liegen in ihnen kleinere Seen, die sich am Ende der Eiszeit durch Gletscherwasser gebildet haben; vor allem der Große Arbersee und der in einem Hochwaldkessel ruhende moorbraune Rachelsee sind von malerischer Schönheit.
Der Gebirgszug des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes (Teil der Böhmischen Masse) ist der Greis unter den deutschen Mittelgebirgen. Als sich im heutigen Alpengebiet die ersten Faltungen bildeten, stand das Massiv des Böhmerwaldes bereits fertig ausgebildet da, bedeutend mächtiger übrigens als heute, denn im Laufe der immensen Zeiträume, innerhalb deren sich das jetzige Bild der Oberfläche unserer Erde formte, haben Wind, Wasser und Eis an der Zerstörung des Gebirges gearbeitet. Ein vorzügliches Anschauungsmaterial für diese Kräfte liefert der sogenannte Pfahl, ein fast 140 km langer, 40-50 m breiter Quarzstreifen, der von Cham in südöstlicher Richtung bis in die Gegend des Plöckensteins zwischen dem Vorderen und Hinteren Wald verläuft. Er ist infolge der Widerstandsfähigkeit seines Materials an der Bruchlinie des Vorderen und Hinteren Waldes herausgewittert und überragt als weiße, allerdings am oberen Rand scharf zernagte Mauer die weicheren Gesteine der Umgebung riffartig bis zu 100 m. Diesem Quarzvorkommen verdanken die Bewohner des Bayerischen Waldes übrigens das Entstehen einer hochwertigen Glasindustrie, deren Zentrum Zwiesel ist.
Das einst bitterarme Land, dessen Bevölkerung sich als Waldbauern und Holzfäller nur mühsam ernährte bzw. in großen Scharen als Fernpendler in die Städte fuhren, um sich dort als Bauarbeiter oder in anderen Berufen zu verdingen, ist durch die intensiven Bemühungen der Fremdenverkehrsorganisationen und durch die neue Naturbegeisterung der Städter zu einem beliebten Urlaubsgebiet geworden. Von Cham und Kötzting bis hinunter ins Dreiländereck gibt es unzählige Orte, die sich als Erholungsaufenthalte vortrefflich eignen.
In vielen Dörfern findet man die im Bayerischen Wald einstmals sehr verbreiteten Totenbretter, auf denen früher die Verstorbenen aufgebahrt wurden und die dann als Erinnerung an einem besonders schönen Platz aufgestellt wurden. Heute wird dieser Brauch in abgewandelter Form wieder gepflegt. Die Totenbretter dienen als reine Erinnerungstafeln. Schwerpunkte des Fremdenverkehrs sind Regen und Zwiesel, von denen man rasch auf guten Straßen in den Vorderen und Hinteren Wald gelangen kann.
